Die Urnenbestattung, auch Feuerbestattung oder Kremation genannt, ist keine moderne Erfindung. Sie blickt auf eine jahrtausendealte Kulturgeschichte zurück, die von religiösen Umbrüchen, gesellschaftlichen Veränderungen und technologischem Fortschritt geprägt ist. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie sich unser Umgang mit der Asche der Verstorbenen gewandelt hat.
Bereits in der europäischen Bronzezeit (ca. 2000 bis 800 v. Chr.) war die Brandbestattung weit verbreitet. Die Epoche der sogenannten Urnenfelderkultur verdankt ihren Namen dieser Praxis, bei der die Asche der Verstorbenen in Tonkrügen auf grossen Gräberfeldern beigesetzt wurde. Auch im antiken Griechenland und im Römischen Reich war die Kremation hoch angesehen. Sie galt als Privileg der Oberschicht und wurde mit prunkvollen Feierlichkeiten begangen.
Mit der Ausbreitung des Christentums änderte sich die Bestattungskultur im europäischen Raum grundlegend. Da der Glaube an die leibliche Auferstehung im Zentrum der christlichen Lehre stand, wurde die Feuerbestattung im Jahr 785 von Karl dem Grossen unter Todesstrafe verboten. Über ein Jahrtausend lang war die Erdbestattung im Sarg die einzig gesellschaftlich und religiös akzeptierte Form der Beisetzung.
Erst im Zuge der Aufklärung, der Industrialisierung und aus hygienischen Gründen in den schnell wachsenden Städten erlebte die Kremation im späten 19. Jahrhundert eine Renaissance. 1876 wurde in Mailand das erste moderne Krematorium eröffnet. In der Schweiz fand die erste offizielle Feuerbestattung der Neuzeit 1889 in Zürich statt. Seither stieg die Akzeptanz kontinuierlich an. Heute ist die Urnenbestattung in der Schweiz die mit Abstand am häufigsten gewählte Bestattungsform und steht für einen modernen, individuellen Umgang mit dem Lebensende.
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